
Ein Unfall am Wochenende, plötzlich starke Beschwerden in der Nacht oder eine Verletzung weit weg von zu Hause: In solchen Situationen stellt sich schnell die Frage: Wen rufe ich an – und wer hilft mir jetzt?
Gut zu wissen: Für unterschiedliche Situationen gibt es unterschiedliche Ansprechpartner. Und wer ins Ausland reist, sollte schon vor der Abfahrt prüfen, ob neben der medizinischen Versorgung auch ein möglicher Rücktransport nach Deutschland abgesichert ist.
112 oder 116117 – welche Nummer ist die richtige?
112 – bei einem echten Notfall
Bei lebensbedrohlichen Situationen gilt in Deutschland und in der gesamten Europäischen Union die 112.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Bewusstlosigkeit
- Atemnot
- starke Brustschmerzen
- schwere Verletzungen
- starke Blutungen
- Krampfanfälle
- Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall
Die 112 ist in allen EU-Staaten kostenlos über Mobil- und Festnetz erreichbar und verbindet direkt mit Rettungsdienst, Feuerwehr oder Polizei. (European Union)
116117 – wenn es dringend ist, aber nicht lebensbedrohlich
Sind die Arztpraxen geschlossen und die Beschwerden können nicht bis zur nächsten regulären Sprechstunde warten, hilft in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Das gilt beispielsweise bei hohem Fieber, starken Schmerzen oder anderen akuten Beschwerden, die behandelt werden müssen, aber keinen Rettungsdiensteinsatz erfordern. (116117)
Wenn nachts ein Medikament benötigt wird
Auch Apotheken sichern nachts, an Wochenenden und Feiertagen die Arzneimittelversorgung.
Die aktuell diensthabende Apotheke lässt sich über die offizielle Apotheken-Notdienstsuche ermitteln. Zusätzlich ist der Apothekenfinder aus dem Festnetz unter 0800 00 22 8 33 sowie mobil über 22833 erreichbar. (ABDA)
So bleibt auch dann pharmazeutische Hilfe erreichbar, wenn andere schlafen.
Und was passiert bei einem Unfall im Ausland?
Gerade auf Reisen kann aus einem schönen Urlaub innerhalb weniger Sekunden eine völlig neue Situation entstehen.
Fallbeispiel: Schlüsselbeinbruch weit weg von zu Hause
Ein Urlauber stürzt im Ausland und zieht sich einen komplizierten Schlüsselbeinbruch zu. Im Krankenhaus vor Ort wird die Verletzung untersucht und zunächst versorgt. Eine Operation ist erforderlich.
Der Wunsch des Patienten: Die Operation soll möglichst in Deutschland erfolgen.
Doch jetzt tauchen plötzlich viele Fragen auf:
- Kann ich überhaupt fliegen?
- Wer organisiert den Rücktransport?
- Brauche ich eine medizinische Begleitung?
- Wer findet ein Krankenhaus in Deutschland?
- Und wer bezahlt das alles?
In diesem Fall wird ein auf medizinische Rücktransporte spezialisierter Assistance-Dienst eingeschaltet.
Ärzte prüfen zunächst anhand der Befunde, ob der Patient transportfähig ist. Anschließend werden die medizinischen Unterlagen ausgetauscht und die weitere Versorgung koordiniert.
Je nach Verletzung und Gesundheitszustand kann die Rückreise beispielsweise als normaler Fluggast, mit medizinischer Begleitung, mit zusätzlichem Sitzplatz oder in schwereren Fällen über einen spezialisierten Krankentransport erfolgen.
Im beschriebenen Fall konnte der Patient mit medizinischer Begleitung nach Deutschland zurückgebracht und dort weiterbehandelt werden.
Der Name des ausführenden Dienstleisters ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist, welcher Versicherungsschutz bereits vor der Reise abgeschlossen wurde und welche Leistungen der jeweilige Tarif enthält.
Bezahlt meine Krankenkasse den Rücktransport?

Hier gibt es einen wichtigen Unterschied.
Innerhalb der EU sowie unter anderem in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich ermöglicht die Europäische Krankenversicherungskarte – kurz EHIC – den Zugang zu medizinisch notwendigen Leistungen des öffentlichen Gesundheitssystems nach den Regeln des jeweiligen Landes. (Bundesgesundheitsministerium)
Einen Rücktransport nach Deutschland übernimmt die EHIC jedoch nicht. Auch private Behandlungen und bestimmte Rettungsleistungen können ausgeschlossen sein. (European Union)
Gerade deshalb ist eine zusätzliche Reisekrankenversicherung sinnvoll.
Worauf sollte eine gute Auslandsversicherung achten?
Nicht jede Versicherung bietet denselben Schutz.
Besonders wichtig ist die Formulierung zur Rückholung.
Das Auswärtige Amt empfiehlt, darauf zu achten, dass eine Rückholung bereits dann versichert ist, wenn sie „medizinisch sinnvoll“ ist. (Auswärtiges Amt)
Das ist günstiger für Reisende als Tarife, die nur einen „medizinisch notwendigen“ Rücktransport übernehmen.
Denn medizinisch notwendig kann bedeuten, dass eine angemessene Behandlung im Urlaubsland überhaupt nicht möglich ist. Medizinisch sinnvoll kann dagegen bereits greifen, wenn die Weiterbehandlung in Deutschland aus medizinischer Sicht empfehlenswert ist – entscheidend sind jedoch immer die konkreten Versicherungsbedingungen.
Vor dem Urlaub lohnt sich deshalb dieser Versicherungs-Check:
- Ist die ambulante und stationäre Behandlung im Ausland abgedeckt?
- Werden auch private Kliniken übernommen?
- Ist ein medizinisch sinnvoller Rücktransport eingeschlossen?
- Wird eine medizinische Begleitung organisiert und bezahlt?
- Gibt es eine rund um die Uhr erreichbare Notfall- oder Assistance-Hotline?
- Werden bei hohen Krankenhauskosten gegebenenfalls Kostenübernahmen direkt mit der Klinik geklärt?
- Wie lange darf die Reise maximal dauern?
- Sind bestehende Erkrankungen eingeschlossen?
- Gilt der Schutz für alle mitreisenden Familienmitglieder?
Auch Kreditkarten, Premiumkonten, Mitgliedschaften oder andere Versicherungen können Reiseleistungen beinhalten. Hier sollte jedoch genau geprüft werden, für wen der Schutz gilt und welche Bedingungen erfüllt sein müssen – zum Beispiel, ob die Reise mit einer bestimmten Karte bezahlt wurde.
Was sollte vor jeder Auslandsreise ins Handy?
Ein paar Minuten Vorbereitung können im Ernstfall enorm helfen.
Speichern Sie:
- 112 für Notfälle innerhalb der EU
- die Notfallnummer Ihrer Reisekrankenversicherung
- Versicherungs- bzw. Vertragsnummer
- Kontakt Ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung
- Kontaktdaten einer Person zu Hause
- Ihre wichtigsten Medikamente und Dosierungen
- relevante Vorerkrankungen und Allergien

Außerdem gehören die Krankenversicherungskarte mit EHIC und die Versicherungsunterlagen ins Reisegepäck.
Bei schwerwiegenden Problemen können auch deutsche Botschaften oder Konsulate Ansprechpartner vermitteln. Sie können beispielsweise Kontakte zu Ärzten oder Dolmetschern nennen, übernehmen jedoch grundsätzlich keine Krankenhaus- oder Behandlungskosten. (Auswärtiges Amt)
Gut vorbereitet in den Urlaub – auch mit der richtigen Reiseapotheke
Neben dem Versicherungsschutz gehört auch eine individuell zusammengestellte Reiseapotheke zur Vorbereitung.
Je nach Reiseziel können beispielsweise sinnvoll sein:
- persönliche Dauermedikamente in ausreichender Menge
- Schmerz- und Fiebermittel
- Mittel gegen Durchfall und Übelkeit
- Elektrolyte
- Wunddesinfektion und Verbandmaterial
- Sonnenschutz
- Insekten- und Zeckenschutz
- Mittel gegen Allergien und Insektenstiche
- Fieberthermometer
Bei chronischen Erkrankungen, Reisen mit Kindern oder Fernreisen empfiehlt sich eine persönliche Beratung.
Unser Tipp aus Ihrer Apotheke
Prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz nicht erst dann, wenn etwas passiert ist.
Die gesetzliche Krankenversicherung und die Europäische Krankenversicherungskarte bieten innerhalb Europas eine wichtige Grundabsicherung – sie ersetzen jedoch keine gute Auslandsreisekrankenversicherung mit Rückholschutz.
Und auch bei der gesundheitlichen Vorbereitung Ihrer Reise sind wir für Sie da: Wir helfen Ihnen bei der Zusammenstellung Ihrer persönlichen Reiseapotheke, prüfen mögliche Wechselwirkungen und beraten Sie zu Impfungen, Sonnenschutz, Insektenschutz und benötigten Medikamenten.
Fazit: Im Notfall zählt Vorbereitung
Niemand möchte im Urlaub über Krankenhausaufenthalte oder Rücktransporte nachdenken. Doch ein Unfall kann überall passieren.
Wer die wichtigsten Notrufnummern kennt, seinen Versicherungsschutz vorher überprüft und die richtige Reiseapotheke dabeihat, ist im Ernstfall deutlich besser vorbereitet.
Und wenn zu Hause nachts, am Wochenende oder am Feiertag gesundheitliche Hilfe benötigt wird, sind Notdienst-Apotheken, ärztlicher Bereitschaftsdienst und Rettungsdienst für Sie da.
Denn Gesundheit kennt keine Öffnungszeiten.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt und von unserem Apothekenteam redaktionell geprüft.







